Wie sich der TRE®-Tremor im Körper organisiert –
und was Selbstregulation damit zu tun hat
Entscheidend ist nicht nur, dass der Körper zittert. Entscheidend ist, wie sich der Tremor organisiert –
und wie Selbstregulation mitten in diesem weitgehend unwillkürlichen Geschehen möglich bleibt.
TRE® erzeugt den Tremor nicht. Der Tremormechanismus ist Teil unserer biologischen Ausstattung, und die Methode eröffnet einen Zugang zu einem körperlichen Bewegungsgeschehen, das weitgehend unwillkürlich entsteht und dennoch beeinflussbar bleibt. 489147082-Shake-It-Off-Naturall…
Wer TRE® über längere Zeit praktiziert, erlebt, wie individuell sich dieser Tremor zeigen kann. Bei manchen Menschen bleibt über Wochen oder Monate ein vertrautes Bewegungsmuster bestehen, bei anderen verändert es sich deutlicher – zwischen einzelnen TRE®-Einheiten oder auch innerhalb einer Zittersequenz.
Der Tremor kann fein oder kräftig sein, auf bestimmte Bereiche begrenzt bleiben oder weitere Körperregionen einbeziehen. Zum TRE®-Geschehen gehören dabei nicht nur klassische Zitterbewegungen; auch größere rhythmische, wellenartige oder zyklische Bewegungen können auftreten.
Der Tremor folgt keinem einheitlichen Muster. Er findet im jeweiligen Körper seinen eigenen Ausdruck.
Wie sich der Tremor im Körper ausbreitet
Bei vielen Menschen zeigt sich das Zittern zunächst deutlich in den Beinen und im Becken. Im weiteren Verlauf können auch Adduktoren, Iliopsoas, Bauch und Rücken bis hin zu Schulter- und Nackenbereich einbezogen werden; Rhythmus und Stärke des Tremors können dabei sehr unterschiedlich sein.
Eine wichtige Struktur in diesem Zusammenhang ist der Iliopsoas. Er liegt tief im Rumpf und setzt sich aus Psoas major und Iliacus zusammen. Der Psoas major verläuft von der Lendenwirbelsäule zum Oberschenkelknochen, der Iliacus vom Becken zum Oberschenkel; gemeinsam sind beide wesentlich an Bewegung und Stabilisierung im Bereich von Hüfte, Becken und Lendenwirbelsäule beteiligt. 489147082-Shake-It-Off-Naturall…
Für das Verständnis des Tremors wäre es allerdings zu eng, den Blick auf einen einzelnen Muskel zu richten. Muskeln und Faszien arbeiten in größeren funktionellen Zusammenhängen. In myofaszialen Modellen werden etwa innere Oberschenkel, Beckenboden, Iliopsoas und Zwerchfell als Teile einer tieferen funktionellen Verbindungslinie beschrieben. 489147082-Shake-It-Off-Naturall…
Damit wird nachvollziehbarer, warum der Tremor nicht dort bleiben muss, wo er zunächst sichtbar oder spürbar wird. Eine Bewegung kann sich verändern, andere Körperbereiche einbeziehen oder in eine andere Bewegungsqualität übergehen – genauso kann ein bestimmtes Muster über längere Zeit vertraut bleiben.
Es gibt keinen Ablauf, den der Tremor erfüllen müsste.
Woher kommt der Rhythmus?
Ein Tremor wirkt oft, als hätte er seinen eigenen Rhythmus – und tatsächlich muss dieser Rhythmus nicht willentlich hergestellt werden.
Für die rhythmische Organisation des TRE®-Tremors bieten sogenannte Central Pattern Generators, kurz CPGs, einen neurophysiologischen Erklärungsansatz. Dabei handelt es sich um neuronale Netzwerke vor allem im Bereich von Rückenmark und Hirnstamm, die rhythmische Bewegungsmuster hervorbringen können, ohne dass das Gehirn jede einzelne Bewegung bewusst steuern muss.
Diese Netzwerke arbeiten nicht unabhängig vom übrigen Organismus. Sensorische Rückmeldungen aus Muskeln und Bewegungsapparat beeinflussen das Bewegungsgeschehen fortlaufend, während Signale aus dem Gehirn die Aktivität erleichtern, hemmen oder verändern können.
In der TRE®-Praxis lässt sich dieses Bewegungsgeschehen manchmal sehr unmittelbar wahrnehmen. Der Tremor kann sich entlang der Wirbelsäule verändern, von einem Bereich in einen anderen weiterwandern oder sich zu einer größeren wellenartigen Bewegung verbinden. Dabei kann spürbar werden, wie sich Rhythmus und Bewegungsqualität im Körper verändern.
Der Tremor muss also nicht bewusst hergestellt werden, und trotzdem bleiben wir ihm nicht einfach ausgeliefert. Geschehenlassen heißt bei TRE® nicht, die eigene Einflussmöglichkeit aufzugeben.
Bewegung ist immer auch Information
Während der Körper zittert, geschieht mehr als Muskelbewegung. Über sensorische Nervenbahnen erhält das Nervensystem fortlaufend Informationen darüber, was im Körper geschieht. Dazu gehört auch die Propriozeption – die Wahrnehmung von Stellung, Bewegung und Spannung im eigenen Körper.
Diese Rückmeldungen fließen wiederum in die Steuerung des Bewegungsgeschehens ein. Der Tremor ist also kein isoliertes mechanisches Schütteln; Bewegung und Wahrnehmung stehen in einem fortlaufenden Austausch miteinander.
Zittern kennen wir aus sehr unterschiedlichen Situationen – bei Kälte, körperlicher Anstrengung, starker Erregung, Angst oder nach einem Schreck. Körperliche Aktivierung entsteht jedoch nicht nur in akuten Situationen. Auch alltäglicher Stress und Belastungen, die über längere Zeit anhalten, wirken auf den Organismus: hohe Anforderungen im Beruf, anhaltende Konflikte, Sorge um einen Menschen oder Lebensphasen, in denen wir über Wochen oder Monate viel leisten, tragen und funktionieren.
Stress kann auf unterschiedlichen Ebenen entstehen: mental, emotional und körperlich – und häufig greifen diese Ebenen ineinander. Gedanken können in dauernder Aktivität bleiben, Gefühle lange nachwirken, körperliche Beanspruchung oder Muskelspannung den Organismus zusätzlich fordern.
Mentaler, emotionaler und körperlicher Stress hinterlassen jeweils ihre Spuren im Organismus.
Entsprechend breit ist auch das Anwendungsspektrum von TRE®: Es reicht von alltäglicher Belastung und körperlicher Spannung über länger anhaltenden psycho-emotionalen Stress bis hin zu traumatischen Belastungsreaktionen.
Warum kann der Tremor zu Entspannung führen?
Stress und Belastung verändern nicht nur unser Erleben. Sie wirken auch auf Muskeltonus, myofasziale Spannung und das Aktivierungsniveau des Nervensystems.
Im Tremor kommt rhythmische Bewegung in diese körperlichen Spannungsmuster, während das Nervensystem fortlaufend neue sensorische Rückmeldungen über Bewegung, Muskelspannung und Körperposition erhält.
Der Tremor kann dazu beitragen, myofasziale Spannung zu reduzieren und ein erhöhtes Aktivierungsniveau wieder abklingen zu lassen.
In meiner langjährigen Arbeit mit TRE® erlebe ich immer wieder, wie unmittelbar diese Veränderung spürbar werden kann: Die Muskulatur wird weicher, der Atem freier, der Körper fühlt sich ruhiger, weiter oder einfach weniger angespannt an. Manche Menschen werden müde, andere fühlen sich wacher und zugleich entspannter.
Entspannung muss dabei nicht bewusst herbeigeführt werden. Sie kann sich aus dem Tremorgeschehen heraus entwickeln, wenn Spannung nachlässt und sich der körperliche Zustand verändert.
Entspannung ist eine mögliche Folge von TRE® – aber nicht der einzige Maßstab für Regulation.
Selbstregulation geschieht mitten im Tremor
Bei TRE® begegnen wir dem Tremor in einem Rahmen, in dem wir dieses körperliche Geschehen bewusst wahrnehmen und zugleich beeinflussen können.
Der Körper zittert – und ich bleibe dabei anwesend.
Selbstregulation beginnt deshalb nicht erst, wenn das Zittern aufgehört hat, sondern geschieht bereits während des Prozesses. Ich nehme wahr, was geschieht, und kann darauf antworten: indem ich die Intensität beeinflusse, meine Position verändere, pausiere oder die Zittersequenz beende. Zur TRE®-Praxis gehört damit auch die Fähigkeit wahrzunehmen, wann mehr Bewegung stimmig ist – und wann weniger. 489147082-Shake-It-Off-Naturall…
Gerade darin zeigt sich: Unwillkürlich bedeutet nicht unkontrollierbar.
Selbstregulation bedeutet dabei nicht, den Körper wieder vollständig unter Kontrolle zu bringen.
Sie bedeutet, im Kontakt mit dem Geschehen handlungsfähig zu bleiben.
Regulation bedeutet nicht einfach Ruhe
TRE® wird häufig mit Entspannung verbunden, und Entspannung kann eine wichtige Erfahrung sein. Regulation ist jedoch mehr als Ruhe.
Nach einer TRE®-Sequenz zeigt sich Regulation deshalb auch nicht bei allen Menschen gleich: Manche erleben tiefe Ruhe, andere mehr Wachheit, Klarheit oder Beweglichkeit.
Regulation bedeutet nicht, möglichst wenig aktiviert zu sein. Sie zeigt sich darin, unterschiedliche Aktivierungszustände wahrnehmen, modulieren und wieder verlassen zu können.
Ein stärkerer Tremor ist deshalb nicht automatisch ein besserer Tremor. Eine lange Zittersequenz ist nicht grundsätzlich wirksamer als eine kurze, und ein kräftiges Zittern nicht wertvoller als ein feines.
Gerade wenn hohe Aktivierung sehr vertraut ist, kann weniger Intensität die wichtigere Erfahrung sein. Auch eine Pause kann Teil der Regulation sein. Boundaries_Groundedness_Presenc… Boundaries_Groundedness_Presenc…
Mit dem Tremor in Beziehung treten
Mit zunehmender TRE®-Erfahrung tritt die Frage, wie der Tremor ausgelöst wird, häufig in den Hintergrund. Interessanter wird etwas anderes:
Wie bleibe ich mit mir in Kontakt, während mein Körper etwas tut, das ich nicht vollständig steuere?
Der Tremor entsteht, ohne dass ich jede Bewegung herstellen muss. Ich kann beobachten, ohne ständig zu lenken, einer Bewegung Raum geben, ohne sie zu forcieren, und auf das antworten, was sich im jeweiligen Moment zeigt.
Mit dem Tremor in Beziehung zu treten bedeutet, wahrnehmend beteiligt zu bleiben.
Geschehenlassen und Einflussnehmen gehören dabei zusammen. Der Körper bekommt Raum für ein weitgehend unwillkürliches Bewegungsgeschehen, während ich zugleich mit mir in Kontakt bleibe und reagieren kann, wenn sich etwas verändert oder weniger gerade stimmiger ist als mehr.
Nicht alles kontrollieren zu müssen und dennoch mit sich in Kontakt und handlungsfähig zu bleiben – darin liegt für mich eine besondere Qualität von TRE®.
Quelle und Vertiefung
David Berceli (Hrsg.): Shake It Off Naturally: Reduce Stress, Anxiety, and Tension With TRE, 2015.
© 2026 Sabine Almer-Steindl. Alle Rechte vorbehalten.
Bildquelle: KI-generiert nach eigener Konzeption




0 Kommentare